Deutsche Autobauer gehen goldenen Zeiten entgegen
Wie Phoenix aus der Asche sind die deutschen Autobauer der Krise entstiegen. Vor allem die Premium-Hersteller geben wieder Gas. Der chinesische Absatzmarkt legt weiter zu. Aber auch der deutsche Markt zieht nach dem Einbruch wieder an. Die Erholung auf dem Automarkt ist eine nachhaltige Entwicklung. Dieser Ansicht ist Dr. Helmut Becker, Autoexperte und Leiter des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation.
Die deutschen Premiumautomobilhersteller sind weiter auf der Überholspur. Auch im November steigerten BMW, Mercedes-Benz und Audi die Verkaufszahlen dank der anhaltend hohen Nachfrage in China und der Erholung des US-Marktes. Auch vom deutschen Heimatmarkt bekommen die Luxusautobauer zusehends stärkeren Rückenwind. Bereits einen Monat vor dem Jahreswechsel haben die drei Unternehmen ihre Ziele für 2010 nun schon fast in der Tasche. Der weltgrößte Hersteller von Oberklassewagen BMW hat im Vormonat nach Angaben vom Mittwoch konzernweit mit gut 129.000 Fahrzeugen fast ein Fünftel mehr verkauft als im Vorjahr. Dies ist nach Unternehmensangaben der prozentual stärkste Monatszuwachs im bisherigen Jahresverlauf. Besonders stark legte dank des neuen 5ers und der X-Geländewagenreihe erneut die margenträchtige blau-weiße Kernmarke zu. Aber auch der Stadtflitzer Mini konnte Schritt halten. Erfolgsgarant war einmal mehr der chinesische Markt, auf dem die Münchener die Verkaufszahlen auf gut 17.300 Autos mehr als verdoppeln konnten. Mit Zuwächsen von fast 30% bzw. einem Viertel war der DAX-Konzern auch in Deutschland und den USA sehr erfolgreich unterwegs. In den ersten elf Monaten des Jahres stiegen die konzernweiten Verkäufe von BMA damit um 13,5% auf fast 1,32 Mio Fahrzeuge, das Absatzniveau aus dem krisenbedingt schwachen Vorjahr wurde damit bereits deutlich übertroffen. Vertriebsvorstand Ian Robertson zeigte sich dementsprechend zuversichtlich, das Absatzziel von mehr als 1,4 Mio verkauften Autos zu erreichen. Die weltweite Nummer Zwei in der Branche, die Daimler-Tochter Mercedes-Benz, hatte bereits in der vergangenen Woche die Vetriebszahlen für November vorgelegt. Inklusive des Sorgenkinds smart war der Absatz im Vormonat um mehr als 14% auf gut 112.000 Wagen gestiegen. Allein die Marke mit dem Stern verkaufte sich mehr als 105.000 Mal, ein Plus von fast 19%. In den Monaten Januar bis November wurden damit bereits knapp 1,06 Mio Autos der Kernmarke verkauft. Die Stuttgarter sind ihrem Ziel damit sehr nahe, den Mercedes-Benz-Absatz auf Gesamtjahressicht im Vergleich zum schwachen Vorjahresniveau prozentual zweistellig zu steigern. Auch der Dritte im Bunde, die Volkswagen-Tochter Audi, hat im November zwar erneut die Verkaufszahlen gesteigert, wächst aber deutlich langsamer als zu Jahresbeginn und hinkt inzwischen etwas hinter der Konkurrenz her. Weltweit brachten die Ingolstädter nach Angaben vomMittwoch 87.050 Autos an die Kunden in aller Welt. Das entspricht einem Plus von gut 5%. Im bisherigen Jahresverlauf legten die Audi-Verkaufszahlen um gut 15% auf mehr als 1Million Autos zu. Damit haben die Ingolstädter den schwachen Vorjahreswert von rund 950.000 Einheiten bereits deutlich übertroffen und einen neuen Absatzrekord aufgestellt. Das Jahresziel von mehr als 1,08 Millionen verkauften Fahrzeugen ist damit zum Greifen nah. Dass sich das Wachstumstempo bei Audi verlangsamt ist nicht überraschend, da sich die Geschäfte der VW-Tochter deutlicher als bei den Konkurrenten bereits im Schlussquartal des Vorjahres stabilisiert hatten. Zudem fällt es der Volkswagen-Tochter als Marktführer in China zusehends schwerer, bei den deutlichen Steigerungsraten der Wettbewerber mitzuhalten. Im November stieg der Audi-Absatz im Reich der Mitte nur noch um gut 7% auf knapp 17.700 Autos. BMW und Mercedes-Benz berichteten bis zuletzt über Zuwächse im hohen zweistelligen oder gar dreistelligen Prozentbereich. "Wir gehen davon aus, dass der eigentliche Boom in China noch vor uns liegt", sagte Audi-Vertriebsvorstand Peter Schwarzenbauer. "Bei Audi bereiten wir uns auf deutlich steigende Nachfrage auch im nächsten Jahr vor.;" Zuletzt hatten Branchenbeobachter davor gewarnt, sich zu stark auf das Reich der Mitte zu konzentrieren, da der dortige Autoboom abflauen könnte. BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson erklärte noch am Mittwochmorgen, sein Unternehmen strebe "weiterhin ein ausbalanciertes Verhältnis zwischen Europa, Amerika und Asien an".
Redakteur: Nathalie Lober
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