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Prof. Otmar Issing: Das Buch zur Eurokrise und der Politik der EZB

17.10.2012 16:21

In seinem neuen Buch "Wie wir den Euro retten und Europa stärken" spricht Issing Klartext und greift die Politik der EZB an. Der Schlagabtausch zwischen Bundesbank und EZB wurde zuletzt immer heftiger.

Issing im Gespräch mit Andreas Scholz: "Meine Sorgen sind beträchtlich - viel größer als ich mir das je hätte vorstellen können." Nach Ansicht von Issing sei es im Nachhinein sehr mutig gewesen, den Euro mit elf Ländern am 1. Januar 1999 zu beginnen.
In dem Buch, welches am 6. August 2012 in der Reihe ´Wirtschafts-Manifeste´des Börsenbuchverlags erschien, sieht Issing "Europa in Not und Deutschland in Gefahr." Issing: "Man hilft Europa nicht, wenn man Deutschland auch in Not bringt, indem es sich übernimmt mit immer mehr Haftung für die Schulden anderer." Nach Ansicht von Issing gehöre zu einem vernünftigen Krisenmanagement die klare Ansage, was es in absehbarer Zeit nicht geben wird: "Eben keine politische Union und infolgedessen auch auf absehbare Zeit keine Vergemeinschaftung von Schulden." Die einzelnen Länder müssten vielmehr ihre Probleme selber lösen. Alles andere, so Issing weiter, sei "das Ende einer stabilitätsorientierten Währungsunion."
In Richtung der EZB fand Issing, bis 2006 Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, klare Worte: "Die EZB ist eine Notenbank und nicht eine Einrichtung zur Rettung von bankrottbedrohten Staaten. Das muss man sich immer wieder vor Augen führen." Issing warnt eindringlich vor einem weiteren "Hineinziehen der EZB in die Politik."
Die Gleichung ´Scheitert der Euro, dann scheitert Europa´hält Issing für eine Zuspitzung. Issing: "Ich bin nicht der Meinung, dass Europa als Idee, als Projekt, als gemeinsamer Markt in dieser Form auf Gedeih und Verderb mit dem Euro verbunden sein muss, aber ein Scheitern des Euro würde riesige Turbulenzen erzeugen und den ganzen europäischen Integrationsprozess weit, weit zurückwerfen."
Zwar sieht Issing nicht den Euro an sich in Gefahr, schon aber den Euro-Raum in seiner jetzigen Zusammensetzung. Issing in diesem Zusammenhang über die in der Wissenschaft geführte Diskussion hinsichtlich der Vorstellung eines sogenannten optimalen Währungsraumes: "Die elf Länder hätte man sich bestimmt nicht ausgesucht, wenn man sich überlegt hätte, welche Länder passen am besten zusammen für eine gemeinsame Währung."
Nach Ansicht von Issing habe die derzeitige Entwicklung in Europa ein historisches Ausmaß: "Wir erleben Geschichte. Es gibt den Spruch von Monnet ´Europa kommt nur durch Krisen voran´. Für die Vergangenheit stimmt das auch. Aber ich warne davor, diese Methode zu überstrapazieren. Das könnte auch mal schief gehen."

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Aktie: USD,
Redaktion: Andreas Scholz

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