Commerzbank: "Weitere Kapitalmaßnahme derzeit nicht auszuschließen"
Dass die Commerzbank ohne weitere Staatshilfe die Krise meistern will, hat Vorstandschef Martin Blessing immer wieder betont. Allerdings ließ er offen, ob es eine weitere Kapitalerhöhung geben wird. "Die Commerzbank wird es sicherlich schwierig haben, hier wirklich komplett ohne Kapitalmaßnahme über die Runden zu kommen", so Andreas Lipkow, mwb fairtrade. Dass der Staat allerdings seine Beteiligung von gut 25 Prozent aufstockt, schließt der Experte aus.
Deutschlands Banken-Sorgenkind Nummer eins kommt nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Ein neuer Rückschlag ist die Ankündigung der Ratingagentur Moody's, die Bonitätseinstufung der Commerzbank auf eine mögliche Abstufung zu prüfen. Auch die Nachricht von einer möglicherweise noch größeren Kapitallücke als bislang gedacht setzt die Commerzbank unter Zugzwang. Und die Uhr tickt, denn bis Freitag müssen bei der Finanzaufsicht BaFin Pläne vorgelegt werden, wie die erforderliche harte Kernkapitalquote von neun Prozent erreicht werden soll.
Der Commerzbank-Aktienkurs fiel nach diesen neuerlichen Hiobsbotschaften am Mittwoch teilweise um mehr als vier Prozent und lag kurz vor Handelsschluss immer noch mit 1,5 Prozent im Minus bei 1,41 Euro.
In der Regierungskoalition wurde das Vorgehen von Moody's hart kritisiert. 2Ich frage mich, was diese Brandbeschleunigung soll", sagte der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach. Die Commerzbank sei in einer entscheidenden Phase ihres Kapitalaufbaus und werde damit hohen Anforderungen zur Sicherung der Finanzmarktstabilität entsprechen. "Warum das durch Moody's torpediert wird, ist mir unverständlich", betonte Flosbach.
Offiziell ist das Milliarden-Loch bei der Commerzbank 5,3 Milliarden Euro groß. Ein entsprechendes Defizit war auf Basis einer Beteiligung der privaten Gläubiger am Schuldenschnitt in Griechenland in Höhe von 50 Prozent errechnet worden. Es zeichnet sich jedoch ab, dass in den laufenden Verhandlungen zwischen privaten Gläubigern und Griechenland ein weitaus höherer Abschlag vereinbart wird. Deutlich sprach dies am Dienstag der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager aus. In Medienberichten wird bereits über 68 Prozent spekuliert. (Dow Jones)
Redakteur: Sebastian Schick
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